07/2002
SWISSPOWER GIGATHLON 2002

In diesem ausführlichen extra Bericht habe ich das einmalige Erlebnis "Swisspower Expo Gigathlon 2002" festgehalten. Als Mannschaft OKOTPUS nahmen wir über alle 7 Wettkampftage zu fünft teil. Zu finden sind folgende Inhalte:

::: Sponsoren
::: Teammitglieder in der Übersicht
::: Bericht "Gigathlon als einmaliges Erlebnis!"
::: Team OKTOPUS: Die Zahlen und Daten
::: Die Tagesberichte

 

 

Sponsoren

Besten Dank unseren beiden Hauptsponsoren, der Firma B+S Ingenieur AG aus Bern und der Textilveredlungsfirma Müller aus Strengelbach, sowie unserem Reservematerialausrüster Weishaupt Cycles aus Zofingen.  
 
 

 

Teammitglieder in der Übersicht

Müller Jenny 74, Sportlehrerin Skirennfahrerin
Morf Susann 73, Sportlehrerin Allrounderin
Müller Hannes 80, Sportstudent 2.Sem Laufen, Velo
Röthlin Thomas 76, Sportstudent 2.Sem Allrounder
Baumann Lukas 78, Sportstudent 8.Sem Duathlet (Ersatz für Thömu)
Röthlisberger Thomas 74, Bauingenier Inliner (verletzt, darum Coach)

 

 

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Gigathlon als einmaliges Erlebnis!

Der Gigathlon war ein Erlebnis der ganz seltenen Klasse; ein sportlicher Multi-Grossanlass über sieben Tage quer durch die Schweiz mit Bus und Zelt im Team wird es zumindest in nächster Zeit nicht mehr so schnell geben. Der Entscheid mitzumachen fiel für mich kurzfristig und eigentlich eher weniger aus sportlichen Motiven. Mich reizte die Einmaligkeit eines solchen Anlasses und das Dazugehören und Miterleben dieser besonderen Atmosphäre. Dass ich überhaupt dazugehörte ist Zufall, denn ich sprang für Thömu ein, der sich drei Wochen zuvor das Schlüsselbein am Swiss Inline-Cup in Sempach brach. Und ich verdanke meine Teilnahme auch unseren grosszügigen Sponsoren, die unsere Startgelder von je Fr. 1000.- übernahmen, Bus zur Verfügung stellten und unsere Shirts und Hemden finanzierten. Ehrlich gesagt wäre ich nicht bereit gewesen, 1000.- zu bezahlen. Meine finanziellen Prioritäten liegen da momentan etwas anders.

Für alltägliche Sachen: Anstehen...
Meine Vorfreude war gross, auch wenn mein Training - wie für viele andere - nicht dem Gigathlon galt. Trainingstechnisch war der Gigathlon für mich sogar eher ungünstig in der Vorbereitung, weil eigentlich Grundlagentraining in dieser Phase hätte sein sollen. Aber eben, ich freute mich auf das Erlebnis, freute mich v.a. um das Geschehen neben dem Wettkampf. Leute kennenlernen, Plaudern, schöne Stunden erleben... Wie sich herausstellen sollte, wurde ich in diesem Punkt etwas enttäuscht. Die Zeit war von morgens früh bis abends spät so ausgefüllt, dass Rahmenprogramme kaum noch Platz hatten. Es ist nur schwer zu beschreiben, wie die Zeit von 5 Uhr bis 23 Uhr oft ausgefüllt war. Den Hauptteil nahm natürlich die Reiserei für sich in Anspruch. 1800 Kilometer legten unser Bus und PW in acht Tagen zurück... Und da die Blechkolonne des Gigathlon aneinandergereiht 8km ergäbe, waren Staus und Wartezeiten vorprogrammiert. Oder die Parkplätze mussten etwas weiter weg von den Wechselzonen oder dem Camp gesucht werden, was manchmal ziemlich lange Wege zu Fuss bedeutete und damit Zeit verschlang. Dann mussten die Zelte jeden Tag auf- und abgeräumt werden, die Fahrzeuge logistisch mit dem richtigen Material beladen werden (viel Denkarbeit...), unsere Wettkampfgeräte gewartet und eingestellt werden. Essen gab es jeweils im grossen Zelt, wo z.T. auch angestanden werden musste. Selbst die täglichen Geschäfte mussten zuerst in einer Kolonne ausharren. Und im Massagezelt von Dul-X gab es oft grössere Wartezeiten. Und da wir schlussendlich ein Team sind und wenigstens im Tag zweimal alle miteinander zusammen sein wollten, mussten wir z.T. auch auf uns selbst warten...

Alle Disziplinen gemacht
Jetzt aber nur nicht Erschrecken. Die obigen Tatsachen gehören wohl zu so einem Anlass einfach dazu, sind quasi unvermeidbar bei so vielen Gigathletinnen und Gigathleten. Dadurch entstanden nun eben auch unvergessliche Momente, die wir einmal unseren Enkeln erzählen können, hihi! Einfach gigathletisch. Für jeden von uns aber stand natürlich jeweils seine Tagesdisziplin im Vordergrund. Wir machten alle alles - fast alles. Mein absolviertes Programm: 2xInline, 2xRennvelo, Bike, Schwimmen und Laufen. Besonders das Inlinen, neben dem Neoprenschwimmen im Davosersee, war für mich das spezielle des Gigathlons. Eine Sportart wettkampfmässig bestreiten, die ich zuvor in dieser Art nicht kannte. Gut, ich spielte jahrelang Inline-Hockey, aber einfach skaten auf der Strasse war ich eigentlich bis auf drei mal vor dem Gigathlon mit den neuen Schuhen nie.
Wir stellten zuvor in einer Zusammenkunft einmal einen Plan auf, wer wann welche Strecken macht. Jeder hatte eine Wunschstrecke, die gesetzt war, der Rest der Zusammenstellung war einfach Rücksichtsnahme aller Interessen, Neigungen, Präferenzen und natürlich auch Stärkeverhältnissen immer unter Anbetracht, dass alle jede Disziplin mindestens einmal machen. Dennoch waren Änderungen notwendig, wie z.B. bereist am ersten Tag. Solche Änderungen wurden oft spontan am Vorabend getroffen. Ich glaube, wir haben damit einen guten Mix gefunden und alle scheinen zufrieden gewesen zu sein. Ich auf jeden Fall war ganz bestimmt zufrieden mit meinen Disziplinen. Dies war für die Abwechslung und auch indirekt für die Motivation und Herausforderung bestimmend. Unser Team hat ganz gut funktioniert, jeder hat gearbeitet, wo er konnte. Es gab keinerlei Reibereien oder Gehässigkeiten, wir verstanden uns und jeder gab sein Bestes. Und natürlich freuten wir uns bei jeder Zielankunft gemeinsam über den Tag und dessen Ergebniss. Und falls mal das Ergebniss etwas schlechter ausfiel: Man fand problemlos immer wieder Sachen, an denen man sich so richtig freuen konnte!

Für alle Interessierten habe ich die wichtigsten Zahlen des Team "OKTOPUS" in einer Tabelle zusammengetragen.
Die gesamten Ranglisten findet man via datasport.ch (alle Ranglisten - Diverse - Swisspower Gigathlon). Direkt zur ::: Rangliste :::

 

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Team OKTOPUS: Die Zahlen und Daten

  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Montag, 8.Juli - Yverdon-Grandson-Couvet-Ste.Croix-St.Prex-Lausanne
Schwimmen 2.5 Susann 1:02.54 334.! 32.41  
MTB 33 Hannes 1:49.12 153.! 1:19.39  
Inline 19 Lukas 56.14 10.! 49.34, +13.4% 460 Höhenmeter, gutes Gefühl, jedoch danach heftige Rückenschmerzen, 20.3 km/h
Rennvelo 90 Jenny 3:19.03 231.! 2:29.04  
Laufen 15 Tom 1:06.53 117.! 51.06  
Team 159.5 OKOTPUS 8:14.18 130.!
(130.!)
1:52.43, +29.5%  
           
           
           
           
  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Dienstag, 9.Juli - Lausanne-Fribourg-Bern-Thun-Interlaken
Schwimmen 2.5 Jenny 1:07.02 313.! 34.37  
Rennvelo 138 Hannes 4:33.59 140.! 3:48.00  
MTB 50 Tom 1:56.48 71.! 1:38.06  
Inline 33 Susann 1:27.34 168.! 59.32  
Laufen 32
(+5=37)
Lukas 2:46.33* 104.! 2:07.29, +30.6% *Übergabe um 17min komplett verpetzt, richtige Zeit: 2:29.17, +17.1%. Strecke war länger (ca. 37km - 4.02 min/km). z.T. heftiger Regen, kühl
Team 255.5 OKOTPUS 11:51.58 107.!
(114.!)
2:32.44, +27.3%  
           
           
           
           
  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Mittwoch, 10.Juli - Bönigen/Interlaken-(Lötschberg)Raron-Biasca-Bellinzona-Locarno
Schwimmen 2.5 Tom 44.25 218.! 26.02  
MTB 45 Susann 2:19.41 155.! 1:44.10  
Rennvelo 129 Lukas 4:30.11* 48.! 3:50.08, +17.4% *Neutralisation bei Übergabe, mit Vali gefahren, gut unterwegs, am Nufenenpass Rückenschmerzen (3xPause...4:22.37h Fahrzeit), Regen und kühl bis kalt, ginge viel schneller... 29.5 km/h
Inline 22 Jenny 1:01.07 220.! 41.49  
Laufen 22 Hannes 1:28.58 39.! 1:15.09  
Team 220.5 OKTOPUS 10:04.23 58.!
(94.!)
1:59.05, +24.5%  
           
           
           
           
  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Donnerstag, 11.Juli - Locarno-Tenero-Bellinzona-Castasegna-Maloja-Samedan
Schwimmen 3.5 Tom 1:12.25 230.! 40.56  
Inline 20 Susann 47.11 115.! 36.24  
Rennvelo 124 Hannes 5:39.29 100.! 4:31.27  
MTB 26 Luki 1:40.36 23.! 1:20.17, +25.3% viel Stau auf Strasse. coole Strecke, wieder warm und schön, gutes Gefühl, 1Pinkelpause, auf Passstrasse guter Rhythmus gefunden. 16.3 km/h
Laufen 26 Jenny 2:33.05 210.! 1:45.27  
Team 199.5 OKTOPUS 11:52.48 81.!
(??)
2:43.02, +29.7%  
           
           
           
           
  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Freitag, 12.Juli - Samedan-Davos-Davosersee-Amriswil-Weinfelden-Frauenfeld
MTB 47 Tom 2:45.58 79.! 2:10.252  
Schwimmen 0.5 Lukas 16.55* 353.! 5.17, +320.1% *verspätet und verschwitzt in Wechselzone, Wasser 14°C, geil mit Neopren zu schwimmen, Datachip verloren und damit nochmals Zeit. Effektive Schwimmzeit ca. 11.00
Rennvelo 143 Hannes 4:01.58 92.! 3:33.03  
Laufen 22 Susann 1:57.58 195.! 1:20.04  
Inline 21 Jenny 55.20 238.! 38.52  
Team 235.0 OKTOPUS 9:52.10 95.!
(89.!)
1:47.53, +22.3%  
           
           
           
           
  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Samstag, 13.Juli - Frauenfeld/Diessenhofen-Schaffhausen-Winterthur-Zürich-Zug-Luzern
Schwimmen 9 Jenny 1:12.09 306.! 53.09  
Rennvelo 47 Hannes 1:28.55 156.! 1:12.49  
MTB 58 Susann 3:01.55 276.! 2:07.52  
Laufen 29 Tom 2:30.23 131.! 1:52.05  
Inline 36 Luki 1:09.31 20.! 1:03.27, +9.5% Massenstart 18.30Uhr, mit Platzwunde am Schienbein gestartet, zu weit hinten eingestanden, rasante Stellen - lässiges Erlebnis! 31.1 km/h
Team 179.0 OKTOPUS 9:22.54 147.!
(93.!)
2:03.03, +28.0%  
           
           
           
           
  Distanz
[km]
AthletIn Zeit, Rang Bestzeit, %
Rückstand
Bemerkungen
Sonntag, 14.Juli - Horwerbucht-Luzern-Basel-Oensingen-Solothurn-Biel
Schwimmen 3 Tom 48.45 191.! 30.51  
Rennvelo 124 Lukas 3:35.42* 46.! 3:19.33, +8.1% Schon wieder Tom im Stich gelassen (Schwimmstrecke war kürzer), mehr als die Hälfte mutterseelenallein im Wind, schnell, im BL in Gruppe, kein Saft mehr im Ziel, effektive Fahrzeit 3:31.56, +6.2% (35.3 km/h)
MTB 44 Jenny 2:49.00 240.! 1:54.50  
Inline 22 Susann 48.18 150.! 35.45  
Laufen 35 Hannes 2:48.43 87.! 2:12.21  
Team 228.0 OKTOPUS 10:50.29 94.!
(??)
2:09.30, 24.9%  

 

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Die Tagesberichte


Sonntag

Mit einem grossen Bus der Textilveredlung Müller AG aus Strengelbach und Thömus Privatauto (Kombi) fuhren wir top gelaunt nach Yverdon. Einfach wahnsinnnig, wieviele Gigathleten dort anzutreffen waren! Die Stimmung bei der Anmeldung und dem Fassen der Ausrüstung war gelassen und zuversichtlich von allen, die dort anstehen mussten. Nachdem alles gefasst war, gings ab ins Camp. Platz suchen, Zelte aufstellen, Autos einpuffen, sich zurecht finden. So gings wohl allen. Und alle wollten schier zur gleichen Zeit dasselbe. Im Nachhinein geht dieser Abend als der mühsamste der Woche für mich ein; die weitesten Wege, die grössten Kolonnen, die meiste "Zurechtfinde-Anstrengung". Gleichzeitig war aber auch die Vorfreude für den morgigen Start zu spüren. Die Camping-Atmosphäre mit den orangen Zelten am See mit dem Nebel der Expo-Wolke gemixt mit den vielen aufgestellten Gleichgesinnten ergab eine besondere Stimmung!


Montag

Am ersten Tag sprang ich für Hannes ein und übernahm die Inline-Strecke, da es eine gefährliche Abfahrt gab. Wir waren rechtzeitig in der Wechselzone in Couvet und mussten relativ lange auf die Ablösung warten. Der Wechsel mit Hannes verlief ohne Probleme und ich konnten abdüsen. Das Feld war sehr langgezogen, und da wir weit hinten waren, traf ich keinen guten Inliner. Das Tal hinauf gings vorerst noch angenehm und ich versuchte, möglichst durch eine gute Technik Kraft zu sparen. Aber dann gings hinauf, so richtig steil für Inlines. Ich denke, der Anstieg hatte durchaus seine 10% Steigung. Es war richtig geil. Ich fand eine gute Bergauftechnik und einen guten Rhythmus, brauste an allen ziemlich schnell vorbei. Es kam mir vor, als wäre ich ständig am Überholen. Und überholt wurde ich nie. Ich wusste, dass dies sicherlich eine nicht schlechte Leistung war. Im Ziel oben, nach 19km und 460 Höhenmeter Steigung zitterten meine Beine. Und als ich nach ein paar Minuten Trinkpause meine ausgezogenen Skates wieder aufheben wollte, konnte ich mich kaum mehr bücken. Mein Rücken schmerzte so ungeheuer, dass er wie blockiert war. Folgenschwer, denn mein Rücken konnte sich eigentlich nie richtig erholen und wurde mir insbesondere am Nufenenpass zum Hindernis. Aber ich war zufrieden mit mir und etwas überrascht über den guten 10.rang. Auch dem Team gings nicht schlecht und wir hatten in Lausanne einen lässigen Gigathlon-Start zu feiern. Ich war zusammen mit Thömu früh im Ouchy und nutzte die Zeit, um etwas zu dösen. Die Gesichter waren rundherum allesamt zufrieden und wir konnten zuversichtlich den nächsten Tag erwarten.

Dienstag

Die zweite Etappe errachtete ich für mich persönlich als Ecketappe. Denn 32km Laufen kann doch heftige Beinschmerzen verursachen und folgende Leistungen einschränken. An jenem Morgen schmerzte mir aber immer noch der Rücken vom Inlinen. In Fribourg luden wir Tom aus und Hannes von der Rennvelostrecke ein. Wieder einmal mehr mussten wir lange Wege zur Wechselzone in Kauf nehmen. Dann gings nach Thun. Nach der Konsultation der Spitzenzeiten errechneten wir die früheste Ankunft von Susann. Nun, ich war etwas vorsichtig und wir gaben nochmals mehr als 10 Minuten mehr Toleranz. Nach einem heftigen Gewitter beruhigte sich die Lage wieder etwas und wir sassen zu dritt plaudernd an einem Festtisch und die Lautsprecher nicht hörend weil falsch installiert. Als ich mich dann langsam umzog und in die Wechselzone trabte, sprang plötzlich Susann vor mir auf und schrie: "Luki, Luki, da bisch du ja!" Ich war völlig platt, montierte den Datachip und lief los. Später errechneten wir, dass sie geschlagene 17 Minuten auf mich wartete; die Spitzenzeiten taugten für nichts, das mussten wir bitter erfahren!

Dennoch nicht übertreiben, sagte ich mir. Mein Ziel war ein 4 Minuten Schnitt. Zwar konnte ich es nicht kontrollieren, aber mittlerweile kenne ich das Tempo ungefähr. Ich fühlte mich etwas schlapp, die Beine waren nicht sehr munter, dennoch liefs vorerst gut. Regenreiche Gewittergüsse prasselten auf die Strasse, begleitet von Blitz und Donner. Dann der bewaldeten Seepromenade entlang mit den Wellengeräuschen des Thunersees - eine besondere Atmosphäre. Die Strecke war zum grossen Teil asphaltiert. Dann traf ich noch einen ehemaligen Gastdozenten, Adrian Bürgi. Ich drosselte das Tempo ganz wenig und so konnten wir zusammen laufen. Gegen Ende dann lief ich wieder alleine, musste aber noch bei einem Bahnübergang etwa eine Minute warten. Die Kilometer kamen mir aber irgendwie immer länger vor. 2:08h wäre die Zielzeit gewesen, doch die Uhr zeigte über 2:20 an und das Ziel konnte ich erst weit hinten sehen. Mittlerweile war ich etwas müde geworden und hatte keine Lust, über die Zeiten nachzudenken. Im Ziel taten mir wieder einmal die Beine so herzhaft weh. Erinnerungen an den Stockholm-Marathon kamen hoch... Mir war kalt geworden und nichts war schöner als in trockene, warme Kleider zu schlüpfen.

Abends wurden wir von meiner Mutter, die zusammen mit Müllers Mutter Ursula uns besuchte, zum Abendessen in einem Restaurant eingeladen. Es war wie Sonntag und ich glaube, es genossen alle. Die Nacht war zwar mit weniger als fünf Stunden Schlaf kurz, dafür gut. Und schlafen konnte ich auch deshalb gut, weil ich nun wusste, dass ich nicht so hundsmiserabel gelaufen bin, sondern dass die Strecke um ca. 5km länger war. 37km die auch wirklich lange waren.


Mittwoch

Wie würden sich wohl meine Beine anfühlen? Naja, einigermassen gut. Der Tag war erneut nicht der schönste. Aber Tom stand früh auf wegen dem Schwimmstart und brachte uns unser Frühstück und den Lunch zu den Zelten - das war schön! Vom Camp auf dem Flughafen in Interlaken bekamen wir damit redlich wenig mit. Beziehungsweise eigentlich fast gar nichts. Via Lötschberg führte unsere Autoetappe nach Raron, von wo ich dann in die Pedalen treten musste. Unterwegs genehmigten wir uns noch ein Café und konnten damit auch grossen Luxus verbinden: Eine echte Toilette mit Wasserspülung, ohne Gestank und Anstehen. Am Lötschberg dann wie erwartet wieder Wartezeiten. Susann war mit dem Bike bereits durch, doch dank der Rennneutralisation machte dies nichts aus.

So, nun war es an mir, eine schnelle Velozeit hinzulegen. Der Zufall wollte es, dass ich direkt mit Vali Belz aus der Wechselzone fuhr. Unser Duathleten-Zug war flott unterwegs. Der Mitwind schraubte den Tacho definitiv hoch. Es war geil. Dann kam der Regen und damit auch die Kälte. Bei der Verpflegung in Ulrichen montierte ich die Beinlinge. Gleichzeitig fühlte ich mich nicht mehr so gut im Strumpf. Die Tempowechsel zuletzt in einer grösseren Gruppe kamen bei mir nicht gut an. Und je länger der Pass dauerte, desto mehr hatte ich auch Probleme mit dem Rücken. Ich wusste, es war nicht mein Tag. Mit ständigen Schmerzen fuhr ich so langsam den Berg hoch wie normalerweise nicht einmal in einer Trainingsetappe. Dann musste ich definitiv eine Entlastungspause einlegen und stieg vom Rad. Das war bitter. Als eigentlich nicht schlechter Radfahrer musste ich zusehen, wie mich die Leute stehen liessen. Auch als endlich die Passhöhe erreicht war, musste ich wieder etwas pausieren. Zudem war es auf dieser Höhe empfindlich kalt geworden. Auf der Abfahrt agierte ich sehr vorsichtig und z.T. herrschte sogar dichter Nebel. Unten im Tessin fand ich wieder etwas Tritt und zudem schmerzte im Flachen der Rücken nicht derart. Wir bolzten nochmals etwas Tempo bis ins Ziel. Der Wechsel zu Jenny verlief gut, mein Part war getan. Chregi, der Bruder von Hannes, war seit Interlaken noch zu Besuch, und wir luden ihn am Bahnhof wieder ab.
In Locarno herrschte auf dem Zeltplatz etwas Chaos, aber kein Problem. Wir chaotierten munter mit und stellten unser Zelt auch irgendwie hin. Am Abend konnte ich übrigens endlich vor 23 Uhr ins Bett, damit gabs mehr als fünfeinhalb Stunden Schlaf!


Donnerstag

Wiederum stand Tom als erster auf, da er erneut unser Schwimmer war. Nach der guten Nacht mit ausreichend Erholung fühlte ich mich ziemlich gut. Das Wetter war cool, unsere Stimmung in Ordnung. Nach dem gemeinsamen Morgenessen fuhr ich Susann nach Tenero zur ersten Wechselzone. Dort herrschte ziemlich Chaos, und so stieg sie aus dem Bus, bevor ich parken konnte. Tom kam strahlend aus dem Wasser; er crawlte alles durch. Er war mein persönlicher Held vom Donnerstag...! Dann folgte eine amüsante und aufregende Fahrt zugleich mit ihm nach Castasegna, am Fusse des Malojapasses. Über den Monte Ceneri erreichten wir Lugano, von wo aus der Dauerstau begann. Entlang dem Comersee herrschte Chaos, und die engen Strassen verursachten immer wieder lange Wartezeiten, welche wir mit Musik (Schnörregiige Wunschkonzert), Plaudern mit "Nachbarn" oder einer kurzen Beachvolley-Einlage auf der Strasse überbrückten. Wir regten uns gar nicht erst auf, sondern nahmen unser Schicksaal gelassen. Etwas Aufregung kam aber auf, als wir wegen der schlechten Strasse einen Aufhängeschaden am Bus produzierten, der dann später am Abend in Samedan glücklicherweise provisorisch repariert werden konnte.

Hannes kam gut über die Pässe Bernadino und Splügen, nun war es an mir, via Bikestrecke auf den Malojapass zu kraxeln. Es war sehr warm und die Wege sehr abwechslungsreich. Ich fühlte mich gut im Strumpf. Allerdings musste ich mittendrin noch einen "Pissstop" einlegen - die Blase konnte nicht mehr. Bevor es auf die letzten 6km auf der Strasse ging, wo ich übrigens einen super Rhythmus fand, musste ich vorübergehend etwas beissen. Mit dem 23.Rang darf ich zufrieden sein. Die ganze Mannschaft zeigte eine gute Leistung, und wir durften einen weiteren Top100 Rang feiern.

Das Camp auf dem Flugplatz Samedan imponierte mir von der Organisation her am meisten. Zwei Parkplätze hintereinander für Fahrzeug A und B direkt vor dem Zelt. Das machte richtig Freude. Auch das Essen war gut. Und den Weg dorthin konnten wir bequem per Inline oder Scooter zurücklegen. Hier traf ich auch meinen ehemaligen Didaktikdozenten und diskutierte noch relativ lange mit ihm. Genau solche Szenen, wie ich sie mir wünschte für den ganzen Gigathlon. Doch für mehr Party reichte es nicht; der Schlafsack rief. Und ich war froh, dass ich einen so warmen besitze, denn es wurde mächtig kalt in der Nacht.


Freitag

Die Diskussion vom Vorabend bezüglich Schwimmstrecke wurde am Morgen geklärt: Der Davosersee ist nicht zu kalt, sodass ein 7km Lauf anstatt dem Schwimmen stattfand, sondern lediglich so kalt, dass nur 500m anstatt 2km zu absolvieren waren. Also musste ich doch rein ins Wasser. Während Tom schon wieder unser Frühaufsteher war - diesmal aber als Biker - fuhren Hannes und ich via Flüelapass nach Davos. Unser Zeitmanagement geriet allerdings etwas unter Druck. Wir fuhren nicht nur etwas spät ab und gerieten in den Stau, sondern wir mussten uns auch einen anderen Parkplatz als die offiziellen suchen. Wir fanden dann einen, mehr als 1 Kilometer von der Wechselzone weg. Schnell in den Neoprenanzug, den es wirklich brauchte, und dann ab per Laufschritt in Richtung See. Der Schweiss lief mir strömend übers Gesicht und im Anzug war bereits alles durchnässt als ich ankam. Tom war bereits da, neutralisierte unsere Zeit aber glücklicherweise. Trotzdem ärgerte mich dieser Umstand. Der Einstieg in den See fiel mir trotz dem 14°C kalten Wasser leicht. Ich crawlte los, zwar fadengerade anstatt einer Linkskurve, aber motiviert. Die Schwimmlage im Neopren faszinierte mich, einfach unglaublich flach ohne Anstrengung. Im Kopf war mir aber irgendwie nicht mehr so gut, vielleicht war ich etwas überhitzt vor dem Start, und so stellte ich auf Brustgleichschlag um bis ins Ziel. Die Zeit haute niemanden um. Doch oh Schreck, ich hatte den Datachip (am Fussgelenk) verloren. Ich sprang zurück zum Zeitmesswagen, meldete dies, wartete etwas und bekam einen neuen. Scheisse, kostete nicht nur Fr. 50.- sondern auch viel Zeit. Zusammen mit dem Lapsus vor dem Start so viel, dass ich in der Rangliste nur an 353. fungierte, das haute dann doch einige fast um. Leute, ich schwimme bestimmt nicht gut, aber auch nicht so schlecht! Dies wollte ich doch noch loswerden...

In Frauenfeld campierten wir auf dem Waffenplatz. Auf einem Waffenplatz, wo Panzerhaubitzen ihre Motoren brummen liessen. Mir kam da nur in den Sinn: Zum Glück muss ich nun die UOS nicht machen, sonst sässe ich jetzt auch auf einem solchen Ungeheuer. Einschub beendet. Doch noch was: Waffenplatz, dies spürte man schon, die Zelte standen in Reih und Glied. Unsere Bikes und Rennvelos brachten wir auch wieder einmal auf Vordermann. Wir waren wieder gerüstet. Ein Outdoor-Nachtessen auf der Wiese beendete diesen erneuten Top 100 Tag.


Samstag

Jenny wagte sich an die längste Schwimmstrecke: 9km! Hehe, reingelegt, natürlich 9km im Fluss, genauer im Rhein. Trotzdem eine lange, dafür spezielle Schwimmstrecke. Mit Hannes, für einmal auf der kurzen Velostrecke, wurde Susann fürs Bike abgelöst. Das ganze in Winterthur, wo es dann zu regnen begann. Beim Wegfahren passierte mir noch ein blöder, kleiner Unfall. Ich rutschte auf dem Trittbrett des Busses aus und knallte mit dem Schienbein gegen die ziemlich spitze Kante. Fazit: Blut und ca. eine ein Zentimeter breite Platzwunde mit Sicht bis auf den Knochen... Diese tat auch störend weh, und ich zeigte sie in Zug den Samaritern, welche die Wunde mit Strips verarzteten, obwohl laut ihrer Aussage Nähen sicherer gewesen wäre, was sie aber nicht konnten. Meine grösste Sorge: Wie gehts mit dem Inlineschuh? Ich hatte Glück, die Wunde blieb exakt oberhalb der Lasche.

Der Massenstart um 18.30Uhr im Inline war eine Ausnahme. Ich war aber nicht so begeistert für einen solchen Massenstart, da die Risiken für einen Sturz natürlich steigen. Meine Sorgen waren aber umsonst. Im Gegenteil, es war vielleicht sogar das eindrücklichste Erlebnis auf sportlicher Ebene während des Gigathlons für mich. Gruppenfahren kann Spass machen. Und das Rauschen der Rollen süchtig. Ich musste zwar ständig etwas dazu lernen was Regeln betrifft. [Eine davon könnte man auch sonst einführen: Der Vorderfrau darf man ans Hinterteil fassen... hehe!] Wir waren schnell, und es war ein geiles Gefühl in Luzern vor vielen Zuschauern einzulaufen. Fast wie am Powerman.

Nach der verdienten Dusche suchte ich mir einen Massageplatz im Dul-X Zelt. Übrigens das einzige mal in der Woche. Denn mein Rücken tat wieder etwas stärker weh. Ich harrte lange aus mit Warten, eine Stunde schon. Ob die Massage dann was gebracht hat, weiss ich nicht genau. Schön wars aber allemal. Zumindest war dann der Sonntag nicht schlecht. Am Abend kamen dann noch die Mutter der Müllers vorbei zusammen mit Hannes' Freundin Maria. Und wir schauten erstmals den Fernsehbeitrag von SF DRS über den Gigathlon. Mit einem Soft-Ice in der Hand wars noch lässig. Dann hiess es aber wieder ab ins Bett. Denn am letzten Tag wollte ich endlich alles geben.


Sonntag

Am letzten Morgen war Tom zum dritten Mal im Wasser. Und ich verpetzte zum dritten Mal einen Wechsel. Einfach unglaublich. Dabei war doch alles so durchdacht. Wann aufstehen, wieviel Zeit für Lunch holen, wieviel zum essen und packen, wieviel zum runterfahren an den See. Auch Toms Schwimmzeit rechneten wir hoch. Gut fünf Minuten von der schnellst errechneten Zeit war ich dort - ein paar Minuten zu spät. Die Streckenangabe spielte uns einen Streich. Von den 3000m Schwimmen waren ca. 500m Laufstrecke... So musste ich halt von noch weiter hinten meinen geplanten Exploit starten. Mein Pech an jenem Tag war, dass kein vernünftiger Velofahrer zu finden war, der im Stande war, schnell zu fahren. So fuhr ich grösste Teile alleine bis Aarau in einem sehr zügigem Tempo. Auf die Saalhöhe kam ich wieder besser in Schwung, nachdem ich kurz vor der Steigung eine kleine Krise einfing. Dann erfuhr ich ansatzweise die Rennbelastung von Strassenrennfahrern. Ein sehr guter Rennvelofahrer überholte mich und ich machte mich zu zweit mit einem anderen auf die Verfolgung. In den Steigungen war der Rennfahrer nicht zu halten. Darum bolzten wir dann im Tal umso mehr nach. Nachdem wir ihn aufgeholt hatten, formierte sich eine immer grösser werdende Gruppe. Das Tempo war hoch und immer wieder Beschleunigungen ausgesetzt. Je näher Basel rückte, desto mehr gingen meine Kräfte dem Ende entgegen. Am Schluss waren meine Beine voll gebraucht und ich war sehr zufrieden, da mein verhaltener 46.Rang viel persönliche Arbeit im Stile eines Einzelzeitfahrers beinhaltete und ich ihn wirklich verdient hatte.

Mit Thömu brachten wir Hannes zum Start zur Schlussstrecke, dem 35km Lauf nach Biel. Hannes durfte also unser Gigathlon ins Ziel bringen. Doch ehrlich gesagt, das Ziel in Biel war für mich nichts so besonderes. Erstens war das Durchkommen für mich zu keiner Zeit ein Ziel gewesen, zweitens waren wir nicht am Ende der Kräfte und drittens hatten wir ja sportlich auch kein speziell ausgerichtetes Ziel.

Natürlich freuten wir uns alle, dass wir es geschafft haben. Vorallem sind alle heil in Biel angekommen! Das ist doch sowieso am meisten wert! Aber gleichzeitig freuten wir uns doch auch alle wieder nach Hause zu gehen und das grosse Erlebnis Revue passieren lassen zu können. Solche Abenteuer sind doch sowieso immer im Nachhinein am Allerschönsten, oder nicht? Wir haben auf jeden Fall alle sehr viel Freude gehabt! Und auch sehr viel geleistet! Und wir waren dabei, am Swisspower Expo Gigathlon 2002!


von luki baumann, 2002

 
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