07/2003
TREKKINGTOUR NORDSCHWEDEN

Um es vorwegzunehmen: Es waren etwa meine erholsamsten Ferien, die ich je gemacht habe. Dies obwohl wir mit einem 29kg Rucksack starteten, 9 Tage am wandern waren, insgesamt etwa 115km zurücklegten, auch mal schlechtes Wetter kassierten und nonstop draussen waren. Aber die schier unberührte Natur fernab jeglicher Zivilisation, jeder Tag zur freien Verfügung und die Nordsonne machten die Tour zu einem einzigartigen Erlebnis!

 

Tag 1
Zürich - Stockholm - Kiruna

17.Juli 2003, sonnig, wenig Wind, 22°C
Schlaf: 8h
Marschzeit: 10Min ;-)

Nach verpasstem Zug erreichte ich den Flughafen Zürich doch noch pünktlich und flog via Stockholm nach Kiruna. Diese Stadt ist bekannt als Ausgangsort für Trekkingtouren und ihr "Wahrzeichen" ist das grosse Eisenerz-Bergwerk. Auf dem kleinen Flughafen traf ich Chäufi, der bis dahin per Interrail ganz Schweden unsicher machte und nach unseren Ferien in Stockholm bleibt, weil er dort ein Austauschjahr als Maschineningenieur an der KTH macht.
Als erstes mussten wir mal unsere Rucksäcke umpacken, denn die Nahrungsmittel brachte ich von der Schweiz bereits abgepackt und rationiert für 10 Tage mit - es war ein krass grosser Haufen Food...
Etwas schwer beladen - die Rucksäcke wogen etwa 29kg - suchten wir ein Plätzchen um unser Zelt aufzustellen. Das angehende genaue Kartenstudium ergab unsere Route. Wir wollten nicht zu lange auf dem "touristischen" Kungsleden (zu deutsch Königsweg) bleiben und hatten vor, diesen bald zu verlassen. Nach dem Abendessen gabs noch ein Kaffee Baileys, da ich vom Flug ein Baileysfläschchen mitnehmen konnte ;-)

 

Tag 2
Kiruna - Nikkaluokta (Bus)
Nikkaluokta - "Kebnekaise 560"

18.Juli 2003, sonnig, wenig bewölkt, wenig Wind, 22°C
Schlaf: 8h
Marschzeit: 3:45h

Etwas müde standen wir auf, Chäufi sogar mit einem "stationärem Nachlauffehler" (wenn die Augen Mühe haben nachzukommen und scharfzustellen). Wir bemerkten, dass wir etwas knapp Milchpulver mitgenommen haben (4L), was uns aber nicht von einem Milchkaffee abhielt. Mit dem Postbus(!) gings dann knappe 2h nach Nikkaluokta, unserem Ausgangspunkt südlich von Kiruna. Wir waren übrigens die einzigen im Bus. Aber am Zielort warteten sicher gegen 50 Trekker, die nach Hause wollten! Nun gings also los :-) Bei herrlichem Wetter und guten Wegen kamen wir gut voran, und auch die vielen prophezeiten und gefürchteten Mücken blieben vorerst fast gänzlich aus.
Nach 2 Stunden begannen die Fusssohlen etwas zu brennen und meine Hüfte klagten auch über Druckstellen vom Hüftgurt. Aber die ersten Tage sind immer die schwierigsten, und unser Rucksack wird täglich um 1.2kg leichter - gute Aussichten also!
Vor dem höchsten Berg Schwedens, dem Kebnekaise, schlugen wir unser Zelt auf. Direkt am Fluss und mutterseelenallein. Wir testeten unsere Angelrute (auch als Moskitonetzhalter verwendbar), auch wenn klar war, dass wir im Fluss wenig Chancen auf einen Fang hatten. Nach einer Scheiss Teemischung verheringten wir unser Zelt noch windfest, da etwas mehr Wind aufkam. Aber mein super Hilleberg Nammatj 3GT Zelt ist solide, einziges Problem könnte der Fluss sein, dann müssten wir das Feld aber schnell räumen...

 

Tag 3
"Kebnekaise 560" - Singi - "Müggs after Singi"

19.Juli 2003, sonnig, wenig bewölkt, mittlerer Wind, 24°C
Schlaf: 10h
Marschzeit: 5:30h

Um etwa halb acht bemühten wir uns langsam zum aufstehen. Chäufi war ziemlich schnell draussen, mir gelang es 20 Minuten später ebenfalls... Stahlblauer Himmel strahlte uns entgegen, unsere Motivation war enorm hoch. Die rationierten 130g Müesli zum Morgenessen waren zwar etwas knapp für diesen Morgen. Nachdem auch Chäufi seine sieben Sachen sauber verpackt hatte (auch er wird es wohl noch lernen), gings quer durch die Büsche bei einer Sauwärme in Richtung Kebnekaise-Fjällstation. Nach der zweiten Pause kam der Schreck: Wir hatten unsere Karte irgendwo verloren! Was tun? Zurück gehen und suchen oder... ....oder diese vier Schweizer um ihre Karte bitten? Ein riesen Zufall, ebenfalls vier Studenten aus der Schweiz kreuzten uns und nach einem Schwatz gaben sie ihre Karte! Herzlichen Dank! Meine Schultermuskeln jaulten den Rest vom Tag ziemlich heftig. Keine Ahnung was das war. Auf jeden Fall war es sehr mühsam und ich war froh, als wir bei Singi (Hütten-Übernachtungsmöglichkeit) Pause machten. Plauderstündchen: Chäufi traf Hendrik, 30, den er bereits vom Interrail her kannte! Unglaubliche Zufälle. Wir beschlossen weiterzulaufen. Punkt 17.37Uhr trafen wir DAS GIRL. Naja, erst der dritte Tag abseits der Zivilisation, und doch gab diese "miss trekking" zu reden ;-) Sie sollte bis zum Ende unserer Tour ihren Titel behalten, es war eindeutig die hübscheste.
Einmal mehr erwischten wir ein wunderschönes Plätzchen zum zelten. Diesmal aber mit Mücken... ;-( Aber kein Problem, nach dem Waschen mit etlichen Mückenstichen kochten wir unter unserem aufgebauten Moskitonetz mit der Fischerrute, wo wir den ganzen Abend verbrachten. Nach einem Nickerchen hatte ich wieder Hunger, aber es gab nichts mehr - ausser Moskitos... Flucht ins Zelt und gute Nacht.

 

Tag 4
"Müggs after Singi" - Sälka - "after Sälka"
20 .Juli 2003, bewölkt, regnerisch, z.T. viel Regen, 16°C
Schlaf: 9h
Marschzeit: 3:50h

7.30uhr. Wecker. Habe ihn aber sofort abgestellt weil viel zu früh. Eine Stunde später krochen wir aus unseren Penntüten. Draussen waren die Moskitos bereits wieder zahlreich vertreten. Kaum losgelaufen fing es an zu regnen. Das hiess: Poncho-time! Bereits letzten Herbst kaufen wir für die Monterose-Tour extra so Regenüberzüge, konnten sie aber nie brauchen. Wir freuten uns und die Ponchos konnten zeigen, wie gut sie sind. Sie bedecken wie eine Pellerine den ganzen Körper samt Rucksack bis unter die Knie, sind wasserfest und lassen sich gut lüften. Und wenn es wenier regnet, klappt man ihn einfach über den Kopf. Extrem praktisch eben.
Regen und kein Regen wechselten sich ab. Ziemlich nass trafen wir bei der Hütte "Sälka" ein, wo wir uns eine Cola und Guetzli genehmigten (sauteuer!), bevor wir weiterliefen. Hängewaage: Rucksack je 26kg. An einem herrlichen kleinen Aussichtspunkt über das ganze Tal schlugen wir unser Zelt professionell auf ;-) Wir hatten beide viel Spass über die misslichen äusseren Bedingungen - Freude herrscht. Tatsächlich regnete es immer wieder, was uns nicht vom (erfolglosen) Fischen abhielt. Essen gabs dann im Zelt, Safranrisotto. hhhmm.

 

Tag 5
"after Sälka" - Tjäktapass - Tjäkta - "Tjäkta-Tal"

21 .Juli 2003, bewölkt, teils sonnig, 13°-20°C
Schlaf: 10:30h
Marschzeit: 3:40h

Da wir gerne weiterdösen standen wir auch am fünften Tag eher etwas später auf. Es war ziemlich kühl. Auf dem Weg redeten wir viel über Websites, auch über Sponsoring. Meine Pläne für 2004 nahmen langsam Formen an. Das erste Mal mussten wir zuerst eine Stelle suchen, bis wir einen Bach überqueren konnten. Zum Tjäktapass gings steil hinauf. Chäufi hasst konvexe Bergwege... Wir marschierten ziemlich schnell, deshalb waren wir oben ziemlich verschwitzt. In der kleinen Hütte haben wir mit einem Deutschen erst mal eine Runde englisch geredet, bis wir merkten, dass es auch mit deutsch geht. Unsere Kleider wollten einfach nicht trocknen. Nach knapp zwei Stunden verweilen zogen wir trotzdem weiter. "Very stony" sollte der Weg laut dem Deutschen sein. Klar, der Weg war auch steinig, aber für uns Schweizer nichts aussergewöhnliches... Herrlicher Wasserfall der Tjäktahütte, welcher als Bade- und Duschmöglichkeit angegeben ist. Unten in der Flussebene fanden wir wieder einen einsamen Zeltplatz. Die anfängliche Freude über wenige Mücken war bald verflogen, gegen Abend kommen sie in Scharen. Chäufi zog seine Sturmmütze auf, ich beliess es bei der Windjacke. Problem: Wenn man kacken muss... Unsere Lösung: Gut "vordrücken", 20Meter im Sprint verschieben, ...arbeiten..., mit Highspeed putzen und hoffen, dass man genug schnell war...hihi!

 

Tag 6
"Tjäkta-Tal" - Alesjaure

22 .Juli 2003, morgens Regen, tagsüber bewölkt, abends Regen, 18°C
Schlaf: 9h
Marschzeit: 2:10h

Wir konnten uns vorstellen, an diesem Tag eine grosse Tour zu machen, irgendwie so sieben oder acht stunden zu trekken. Aber am Morgen regnete es bereits... Wir machten dann Wäsche, Körperpflege, genau packen und aufräumen. Und alles brauchte Zeit. Aber die hatten wir ja zur Genüge dort oben in Nordschweden. Der Weg war echt locker, es ging einfach das Tal runter. Und endlich: Wir sahen das erste Rentier! Chäufi machte sich sofort auf Foto-Pirsch, merkte aber, dass das Rentier deutlich schneller ist ;-) Gut, es war sowieso ein "Touristenrentier". So nannten wir die Tiere, die ein Halsband trugen. Sie gehören den Lappen, laufen aber frei in der Gegend rum.
In der Alesjaure-Fjällstation machten wir einen längeren Halt, weil unser Durst nach Cola schrie und der Laden erst spät öffnete. Schliesslich bekamen unsere Kehlen das schwarze Gesöff und waren zufrieden. Nach dem Studium von Hälge-Bücher machten wir uns wieder auf den Weg, um baldmöglichst ein Zeltplätzchen zu finden. Kaum ein Kilometer weiter wars dann soweit, eine ebene Grasfläche mit Bächlein unweit entfernt bot sich zum zelten an. Wasser in der Umgebung zu haben ist uns übrigens jeden Tag gelungen. Kaum hatten wir aufgestellt, fing es an zu regnen. Wir verbrachten viel Zeit im Zelt, ich studierte über Website-Designs nach und überdachte überhaupt meine Website. Ich hatte viele Ideen. Währenddessen übte Chäufi das "banden" auf der 5 und 6 auf der Mundharmonika ("banden" bedeutet einen Ton durch die Lippentechnik um 1/2Ton tiefer oder höher zu machen). Vergebens waren seine Bemühungen. Zum Glück war es inzwischen wieder schön, sodass er sein Jaul-Konzert draussen in gut bemessener Entfernung abhielt ;-) Nachdem beim Nachtessen wieder einmal die Mücken auftauchten verschwanden wir erneut ins Zelt. Bereits um 22Uhr legten wir uns schlafen. Bis mich um 3.30Uhr Chäufi weckte und meinte: Schau mal, wie herrlich tief die Sonne steht...!

 

Tag 7
Alesjaure - Pass 1260 - Ulla Allakas

23 .Juli 2003, morgens bewölkt, nachmittag Regen, 14-18°C
Schlaf: 9:30h
Marschzeit: 4h

Für einmal standen wir relativ früh auf, frühstückten schnell, packten zügig zusammen und liefen bereits um viertel vor Neun los. Es ging dann recht bergauf, und wir merkten, dass wir nun den "Kungsleden", der auf normalem Wege im Tal unten nach Abisko weitergegangen wäre, verliessen. Die Markierungen waren nicht mehr so zahlreich, der Weg oft nicht als solcher erkennbar. Aber es machte Spass. Auf der Passhöhe angekommen auf 1260 m.ü.M staunten wir dann nicht schlecht: Rentiere, viele Rentiere! Es waren bestimmt über Tausend, die an den steilsten Hängen in den Schneefeldern dichtgedrängt standen. Wir liessen uns vor zwei Tagen erzählen, dass die Lappen die Rentiere jeweils auf einen gewissen Berg hochtreiben um sie zu zählen und makieren zu können. Alles hätte darauf hingedeutet, aber weit und breit waren keine Menschen zu sehen. Wir schauten dem Prozedere über eine Stunde zu. Und wir wissen jetzt noch nicht, wieso alle Rentiere dort oben waren... Chäufi versuchte seinen Digitalzoom um Fotos zu schiessen. Nach dem Loslaufen musste ich wieder einmal eine spontane K...pause einlegen. Unser Food besass offenbar viele Nahrungsfasern. Früher nannte man diese auch Ballaststoffe. Auf jeden Fall waren wir immer froh, wenn wir unser Ballast fernab von Mücken abwerfen konnten ;-)
Auf der andern Seite des Passes wartete die erste Flussdurchquerung. Naja, breite Bachdurchquerung ist wohl treffender. Auf jeden Fall hatten wir Freude, dass unsere extra mitgenommenen Turnschuhe (Chäufi hatte sogar Amphibien-Trekkingschuhe dabei!) zum Einsatz kamen. Das Wasser war übrigens sehr, sehr kalt. Es folgte ein Quersumpfein ohne Karte. Der Weg war oft sehr matschig und sumpfig, und wir hüpften von Stein zu Stein durchs Moor. Wir verliessen den Weg und Chäufi konnte sich als "Kompass-tauglich" zeigen, während dem ich meine Hosen putzte, weil es mich umgehauen hat. Es folgten viele lange Holzpfade durch sumpfiges Gelände. Auf einem kleinen Sattelpunkt oberhalb der nicht sichtbaren Hütte "Ulla Allakas" fanden wir nach 30 minütiger Suche einen halbwegs vernünftig ebenen Zeltplatz. Wieder kam Regen. Chäufi wollte unbedingt fischen. Zurück kam er ohne Fisch. Immerhin musste er, nachdem sein Haken mitten im See verhakte, rund um den See laufen, bis er den Haken doch noch heil bergen konnte. Immer noch Schiff, und jemand musste hinunter Wasser holen gehen. Natürlich war ich an der Reihe. Räser Käse stinkt, und deshalb blieb unsere feine Polenta ohne Reibkäse. Zelt vom Wind plötzlich flattrig. Operation "Hering umstecken von innen", weil Chäufi den Hering seitenverkehrt eingesteckt hatte *gröl*.

 

Tag 8
Ulla Allakas - Dossoganjaure

24 .Juli 2003, morgens regnerisch, dann etwas besser, abends regnerisch, 12-17 °C
Schlaf: 9:30h
Marschzeit: 5:30h

Um 7Uhr Wecker sofort wieder abgestellt. Weitergedöst bis 8Uhr. Heieiei, war das kühl da draussen. Als erstes mussten wir noch den Abwasch vom Vortag machen, und es gab reichlich kühle Finger. Wir liefen mit Windjacke los und kauften wenig später in der Fjällstation Ulla Allakas Salznüssli (100g=625kcal!). Es waren nur drei seltsame Männergestalten dort und deshalb zogen wir gleich weiter. Nachdem immer wieder Tropfen fielen, montierten wir unseren geliebten Poncho. Eine erste krasse Flussdurchquerung wollten wir umgehen, verloren viel Zeit und mussten letzlich doch unsere Flussschuhe montieren. Solche Passagen kosten jeweils locker 15-20 Minuten. Zwei Damen machten uns auf eine noch folgende grosse Flussdurchquerung aufmerksam. Im Folgenden waren wir sehr gespannt auf diese Wasserstelle und zudem rechneten wir aus, wieviel wir noch kochen dürfen, damit unser Benzin nicht ausgeht bis zum Schluss. Unser Schluss: No more the, no more coffee, also kein Tee und Kaffee mehr, Benzin sparen! Dieser Gedanke war nicht unser Freund, aber wir hatte keine andere Wahl, ausser man kann irgendwo noch Benzin kaufen... ...oder es liegt welches am Wegrand! Unglaublich aber wahr: Auf einem Stein stand mutterseelenallein ein fast voller Benzinkanister! Sofort füllten wir unsere Flaschen und konnten ab sofort Tee und Kaffee im Überfluss kochen, sofern genügend Pulver und Bäutelchen vorhanden sind. Wahrscheinlich stand der Kanister seit dem letzten Schnee dort, denn dort führt auch ein Schneetöff-trail durch. Die ominöse Wasserstelle war nicht so krass, aber bis auf die Unterhosen musste man sich schon ausziehen, das Wasser stand gut bis Mitte Oberschenkel.
Meine Sehne über den linken Fussrist tat etwas weh. Ich machte mir Sorgen und lief nun vorsichtig und weniger schnell. Das Positive: Wir hatten mehr Zeit um die Landschaft zu begutachten. Der Weg führte durch sehr steiniges Gelände, viele Richtungswechsel und immer wieder waren Steinmannli zu sehen, welche den Weg markierten. Es war eindrücklich: Manchmal liefen wir auf Felsen, der wie ein Gratrücken zwischen dem Wasser posierte. Bis dahin hatten wir kein vernünftiges Zeltplätzchen ausmachen können und so beschlossen wir nach gut 4 Stunden Marschzeit, das erste gute Plätzchen zu nehmen. Es folgte 1:30 Stunden später... Fast wie ein Golfrasen am mäandrierenden, breiten Gewässer kurz vor einem See mitten in einer Berglandschaft, die links und rechts emporragte. Die Kulisse war echt Wildwest tauglich, und wir warteten bereits, bis die Indianer uns umzingelten. Statt Indianer kam ein dänisches Päärchen vorbei und wurden für diese Nacht unsere Zeltnachbarn.
Ich tauschte mit Chäufi noch Schokolade aus. Wer den bessern gemacht hat, weiss man nicht, auf alle Fälle war ich auf Quantität und er auf Qualität aus. So besass er zwar meine zwei feinen Milchtafeln, ich dafür 4 Sonstige. "Café or notcafé?" - Notcafé, also schlafen.

 

Tag 9
Dossoganjaure - Katterjaure

25 .Juli 2003, etwas bewölkt, danach sonnig, 18-22°C
Schlaf: 9h
Marschzeit: 2:30h

Juhu, Benzin im Überfluss. Also machten wir tüchtig Morgencafé. Nach einem letzten Schwatz mit den Dänen gings los. Mein linker Fussrist machte immer noch Schmerzen und ich schluckte erneut eine entzündungshemmende Tablette aus Chäufis umfangreicher Apotheke. Wieder einmal erwartete uns eine Wasserdurchquerung, was wir wie alte Routiniers hinter uns brachten ;-) Die Sonne kam immer mehr und mehr hervor. Plötzlich hielt Chäufi an und sagte: "Schau mal, da liegt eine Jeans." Tatsächlich, eine schwedische Jeans am trocknen auf einem Stein. Aber weit und breit niemand zu sehen. Ich fand sie toll und nahm sie mit. Ich habe sie noch heute! Eine kleine Kletterpartie machte zu schnaufen, aber oben angelangt hatten wir eine super Aussicht. Sofort veranstalteten wir eine kleine Fotosession. Sie dauerte ungefähr 45 Minuten... wonderful! Beim nächsten Rast versuchten wir nach fünf Tagen ohne Empfang unsere Handys zu füttern. Und es gelang. Doch wir waren nicht sehr gefragt. Je ein SMS. Wobei auf Chäufis Natel gefragte wurde, wie es mir ginge. Also hatte ich 2:0 gewonnen! ;-) Nein, wir genossen es wirklich ohne Empfang, man ist dann nicht so abgelenkt und beschäftigt... Chäufi fotografierte mal ein echtes Natur-Rentier, eines ganz ohne Halsband. Unser Hike ging quer durchs Gelände zum Katterjaure (jaure=See). Wir fanden kein guter Zeltplatz, also durchquerten wir den Fluss um auf der super Halbinsel zu zelten. Es war mein persönlich schönster und einmaligster Platz! Wir hatten unseren eigenen Strand, super Wetter, konnten unsere Oberkörper bräunen und dabei vergebens angeln. Der See war so klar, wir konnten genau sehen, dass kein Fisch in der Nähe war. Angeln ist trotzdem cool. Unsere Idee "Zapfenfischen" mit Holzstück misslang, worauf unser Haken fast mitten im See verhakte. Chäufi rettete sein Haken wagemutig mit einer kurzen Schwimmeinlage. Ich wäre sicherlich fast erfroren, doch Chäufi musste noch Extra-Schwimmeinlagen einlegen, was er wieder an Land fröstelnd und nach Wärme suchend bitter bereute.
Da unser neues Benzin eine komische Farbe aufwies, waren wir plötzlich nicht mehr sicher, ob es verträglich wäre für den Kocher. Falls nein hätten wir sehr, sehr Pech gehabt. Also machten wir Steinziehen, wer zuerst sein Abendessen kochen darf. Ich gewann. Auch für Chäufi reichte der Sprit noch. Erst beim Café machen zeigte sich, dass der Kocher auch mit dem gefundenen Benzin herrlich funktioniert. Nur stank es dabei etwas. Wir sinnierten über die herrlichen und erholsamen Ferien und spielten unser ganzes Schnörregiige-Repertoir durch. Chäufis Versuch die Mitternachtssonne zu fotografieren scheiterte. Es war ein kleiner Hügel dazwischen.

 

Tag 10
Katterjaure - Riksgränsen

26 .Juli 2003, bewölkt bis sonnig, etwas Regen, dann wieder gut, 16-20°C
Schlaf: 8:30h
Marschzeit: 2h (jöööö)

Völlig ohne Wecker um 9Uhr aufgestanden. Morgencafé am See, alles sehr gemütlich. Wir genossen unseren letzten "Outback-Aufenthalt", bevor wir wieder Zivilisation erreichten. Die Wasserdurchquerung zurück von der Halbinsel war noch tricky... Am Ende des Sees waren es nur noch 4km bis Riksgränsen. Wir waren wechselnd auf schwedischem, dann wieder norwegischem Gebiet. Wir machten bereits eine Pause, es war ja nur noch ein Katzensprung. Die drei Biker, die wir am Vortag gesehen hatten, kamen auch wieder zurück. Waren ziemliche Anfänger... Der Weg war mittlerweile touristisch breit, die ersten Seilbahnmasten vom Skigebiet waren zu sehen und tatsächlich kamen die ersten Touristen mit Halbschuhen und Sandalen daher. Das Ende unserer Tour war erreicht. Im ersten Laden in Riksgränsen kauften wir ein. Zum Andenken leistete ich mir ein T-shirt in hellblau mit einem R wie Riksgränsen. Es ist mittlerweile mein Lieblingsshirt. Am See haben wir auf Steinen gegessen und gefischt - natürlich ohne Fisch.... Regen bahnte sich an, also schnell T-shirt wieder angezogen. Nochmals mussten wir suchen um einen Zeltplatz abseits zu finden. Und ein letztes Mal begrüssten uns auch eine Tonne Moskitos. Kein Problem: Wir stellten wieder unser Fischerruten-Moskitonetz Gebastel auf und hatten unsere Ruhe. Dank dem Einkauf war ich das erste Mal seit 10 Tagen wirklich satt geworden! Der mitgenommene Haglöfs-Katalog (Outdoor-Equipment) zeigte sich als sehr interessant.

 

Tag 11
Riksgränsen - Kiruna - Stockholm (Marsch, Bus, Flug)

27 .Juli 2003, bewölkt, 22°C
Schlaf: 8h
Marschzeit: 15min :o)

Das letzte Mal Frühstück vor dem Zelt. Erst sogar oben ohne, danach wegen Wind langärmlig. Wir mussten umpacken. Ich nahm das Zelt mit nach Hause, er behielt die ganze Kochausrüstung in Schweden. Am See unten machten wir uns frisch und wieder ziviltauglich. Es war echt nötig, dass ich ein T-Shirt kaufte... mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Der Zug in Riksgränsen hatte viel Verspätung. Und die Wagen waren alt, aber sehr bequem. Sogar mit Garderobe. Ich genoss die Stuhllehne... In Kiruna sagt ich Chäufi adieu. Er bleibt in Schweden bis April 2004 als Austauschstudent an der KTH Stockholm. Während er mit den Inland-Bahnen in den Süden tuckerte, nahm ich das schnellere Flugzeug. Have a nice time, Chäufi, and enjoy all the "lindas". Linda war der Deckname unserer "Miss Trekking" ;-)
Ich musste lange warten auf den Flughafenbus, kam am späten Abend dann in Stockholm an. Da der Rückflug nach Zürich erst am Montag morgen war, übernachtete ich direkt im Terminal 5. Mit Allesandro aus St. Moritz, der das gleiche vorhatte, plauderte ich bis spät in die Nacht. Und am Morgen verpassten wir beinahe den Flug. Das Checking war bereits geschlossen und mit einer Extrawurst wurden wir zum Flugzeug gefahren. Aber wir kamen glücklich Zuhause an, und das ist ja die Hauptsache.


::: ENDE :::

 
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