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07/2003
TREKKINGTOUR NORDSCHWEDEN
Um es vorwegzunehmen: Es waren etwa meine
erholsamsten Ferien, die ich je gemacht habe. Dies obwohl wir mit einem
29kg Rucksack starteten, 9 Tage am wandern waren, insgesamt etwa 115km
zurücklegten, auch mal schlechtes Wetter kassierten und nonstop
draussen waren. Aber die schier unberührte Natur fernab jeglicher
Zivilisation, jeder Tag zur freien Verfügung und die Nordsonne
machten die Tour zu einem einzigartigen Erlebnis!
Tag 1
Zürich - Stockholm - Kiruna
17.Juli 2003, sonnig, wenig Wind, 22°C
Schlaf: 8h
Marschzeit: 10Min ;-)
Nach verpasstem Zug erreichte ich den Flughafen Zürich doch noch
pünktlich und flog via Stockholm nach Kiruna. Diese Stadt ist bekannt
als Ausgangsort für Trekkingtouren und ihr "Wahrzeichen"
ist das grosse Eisenerz-Bergwerk. Auf dem kleinen Flughafen traf ich
Chäufi, der bis dahin per Interrail ganz Schweden unsicher machte
und nach unseren Ferien in Stockholm bleibt, weil er dort ein Austauschjahr
als Maschineningenieur an der KTH macht.
Als erstes mussten wir mal unsere Rucksäcke umpacken, denn die
Nahrungsmittel brachte ich von der Schweiz bereits abgepackt und rationiert
für 10 Tage mit - es war ein krass grosser Haufen Food...
Etwas schwer beladen - die Rucksäcke wogen etwa 29kg - suchten
wir ein Plätzchen um unser Zelt aufzustellen. Das angehende genaue
Kartenstudium ergab unsere Route. Wir wollten nicht zu lange auf dem
"touristischen" Kungsleden (zu deutsch Königsweg) bleiben
und hatten vor, diesen bald zu verlassen. Nach dem Abendessen gabs noch
ein Kaffee Baileys, da ich vom Flug ein Baileysfläschchen mitnehmen
konnte ;-)
Tag 2
Kiruna - Nikkaluokta (Bus)
Nikkaluokta - "Kebnekaise 560"
18.Juli 2003, sonnig, wenig bewölkt, wenig Wind, 22°C
Schlaf: 8h
Marschzeit: 3:45h
Etwas müde standen wir auf, Chäufi sogar mit einem "stationärem
Nachlauffehler" (wenn die Augen Mühe haben nachzukommen und
scharfzustellen). Wir bemerkten, dass wir etwas knapp Milchpulver mitgenommen
haben (4L), was uns aber nicht von einem Milchkaffee abhielt. Mit dem
Postbus(!) gings dann knappe 2h nach Nikkaluokta, unserem Ausgangspunkt
südlich von Kiruna. Wir waren übrigens die einzigen im Bus.
Aber am Zielort warteten sicher gegen 50 Trekker, die nach Hause wollten!
Nun gings also los :-) Bei herrlichem Wetter und guten Wegen kamen wir
gut voran, und auch die vielen prophezeiten und gefürchteten Mücken
blieben vorerst fast gänzlich aus.
Nach 2 Stunden begannen die Fusssohlen etwas zu brennen und meine Hüfte
klagten auch über Druckstellen vom Hüftgurt. Aber die ersten
Tage sind immer die schwierigsten, und unser Rucksack wird täglich
um 1.2kg leichter - gute Aussichten also!
Vor dem höchsten Berg Schwedens, dem Kebnekaise, schlugen wir unser
Zelt auf. Direkt am Fluss und mutterseelenallein. Wir testeten unsere
Angelrute (auch als Moskitonetzhalter verwendbar), auch wenn klar war,
dass wir im Fluss wenig Chancen auf einen Fang hatten. Nach einer Scheiss
Teemischung verheringten wir unser Zelt noch windfest, da etwas mehr
Wind aufkam. Aber mein super Hilleberg Nammatj 3GT Zelt ist solide,
einziges Problem könnte der Fluss sein, dann müssten wir das
Feld aber schnell räumen...
Tag 3
"Kebnekaise 560" - Singi - "Müggs after Singi"
19.Juli 2003, sonnig, wenig bewölkt, mittlerer Wind, 24°C
Schlaf: 10h
Marschzeit: 5:30h
Um etwa halb acht bemühten wir uns langsam
zum aufstehen. Chäufi war ziemlich schnell draussen, mir gelang
es 20 Minuten später ebenfalls... Stahlblauer Himmel strahlte uns
entgegen, unsere Motivation war enorm hoch. Die rationierten 130g Müesli
zum Morgenessen waren zwar etwas knapp für diesen Morgen. Nachdem
auch Chäufi seine sieben Sachen sauber verpackt hatte (auch er
wird es wohl noch lernen), gings quer durch die Büsche bei einer
Sauwärme in Richtung Kebnekaise-Fjällstation. Nach der zweiten
Pause kam der Schreck: Wir hatten unsere Karte irgendwo verloren! Was
tun? Zurück gehen und suchen oder... ....oder diese vier Schweizer
um ihre Karte bitten? Ein riesen Zufall, ebenfalls vier Studenten aus
der Schweiz kreuzten uns und nach einem Schwatz gaben sie ihre Karte!
Herzlichen Dank! Meine Schultermuskeln jaulten den Rest vom Tag ziemlich
heftig. Keine Ahnung was das war. Auf jeden Fall war es sehr mühsam
und ich war froh, als wir bei Singi (Hütten-Übernachtungsmöglichkeit)
Pause machten. Plauderstündchen: Chäufi traf Hendrik, 30,
den er bereits vom Interrail her kannte! Unglaubliche Zufälle.
Wir beschlossen weiterzulaufen. Punkt 17.37Uhr trafen wir DAS GIRL.
Naja, erst der dritte Tag abseits der Zivilisation, und doch gab diese
"miss trekking" zu reden ;-) Sie sollte bis zum Ende unserer
Tour ihren Titel behalten, es war eindeutig die hübscheste.
Einmal mehr erwischten wir ein wunderschönes Plätzchen zum
zelten. Diesmal aber mit Mücken... ;-( Aber kein Problem, nach
dem Waschen mit etlichen Mückenstichen kochten wir unter unserem
aufgebauten Moskitonetz mit der Fischerrute, wo wir den ganzen Abend
verbrachten. Nach einem Nickerchen hatte ich wieder Hunger, aber es
gab nichts mehr - ausser Moskitos... Flucht ins Zelt und gute Nacht.
Tag 4
"Müggs after Singi"
- Sälka - "after Sälka"
20 .Juli 2003, bewölkt, regnerisch, z.T. viel Regen, 16°C
Schlaf: 9h
Marschzeit: 3:50h
7.30uhr. Wecker. Habe ihn aber sofort abgestellt
weil viel zu früh. Eine Stunde später krochen wir aus unseren
Penntüten. Draussen waren die Moskitos bereits wieder zahlreich
vertreten. Kaum losgelaufen fing es an zu regnen. Das hiess: Poncho-time!
Bereits letzten Herbst kaufen wir für die Monterose-Tour extra
so Regenüberzüge, konnten sie aber nie brauchen. Wir freuten
uns und die Ponchos konnten zeigen, wie gut sie sind. Sie bedecken wie
eine Pellerine den ganzen Körper samt Rucksack bis unter die Knie,
sind wasserfest und lassen sich gut lüften. Und wenn es wenier
regnet, klappt man ihn einfach über den Kopf. Extrem praktisch
eben.
Regen und kein Regen wechselten sich ab. Ziemlich nass trafen wir bei
der Hütte "Sälka" ein, wo wir uns eine Cola und
Guetzli genehmigten (sauteuer!), bevor wir weiterliefen. Hängewaage:
Rucksack je 26kg. An einem herrlichen kleinen Aussichtspunkt über
das ganze Tal schlugen wir unser Zelt professionell auf ;-) Wir hatten
beide viel Spass über die misslichen äusseren Bedingungen
- Freude herrscht. Tatsächlich regnete es immer wieder, was uns
nicht vom (erfolglosen) Fischen abhielt. Essen gabs dann im Zelt, Safranrisotto.
hhhmm.
Tag 5
"after Sälka" - Tjäktapass - Tjäkta - "Tjäkta-Tal"
21 .Juli 2003, bewölkt, teils sonnig, 13°-20°C
Schlaf: 10:30h
Marschzeit: 3:40h
Da wir gerne weiterdösen standen wir auch
am fünften Tag eher etwas später auf. Es war ziemlich kühl.
Auf dem Weg redeten wir viel über Websites, auch über Sponsoring.
Meine Pläne für 2004 nahmen langsam Formen an. Das erste Mal
mussten wir zuerst eine Stelle suchen, bis wir einen Bach überqueren
konnten. Zum Tjäktapass gings steil hinauf. Chäufi hasst konvexe
Bergwege... Wir marschierten ziemlich schnell, deshalb waren wir oben
ziemlich verschwitzt. In der kleinen Hütte haben wir mit einem
Deutschen erst mal eine Runde englisch geredet, bis wir merkten, dass
es auch mit deutsch geht. Unsere Kleider wollten einfach nicht trocknen.
Nach knapp zwei Stunden verweilen zogen wir trotzdem weiter. "Very
stony" sollte der Weg laut dem Deutschen sein. Klar, der Weg war
auch steinig, aber für uns Schweizer nichts aussergewöhnliches...
Herrlicher Wasserfall der Tjäktahütte, welcher als Bade- und
Duschmöglichkeit angegeben ist. Unten in der Flussebene fanden
wir wieder einen einsamen Zeltplatz. Die anfängliche Freude über
wenige Mücken war bald verflogen, gegen Abend kommen sie in Scharen.
Chäufi zog seine Sturmmütze auf, ich beliess es bei der Windjacke.
Problem: Wenn man kacken muss... Unsere Lösung: Gut "vordrücken",
20Meter im Sprint verschieben, ...arbeiten..., mit Highspeed putzen
und hoffen, dass man genug schnell war...hihi!
Tag 6
"Tjäkta-Tal" - Alesjaure
22 .Juli 2003, morgens Regen, tagsüber bewölkt, abends Regen,
18°C
Schlaf: 9h
Marschzeit: 2:10h
Wir konnten uns vorstellen, an diesem Tag eine
grosse Tour zu machen, irgendwie so sieben oder acht stunden zu trekken.
Aber am Morgen regnete es bereits... Wir machten dann Wäsche, Körperpflege,
genau packen und aufräumen. Und alles brauchte Zeit. Aber die hatten
wir ja zur Genüge dort oben in Nordschweden. Der Weg war echt locker,
es ging einfach das Tal runter. Und endlich: Wir sahen das erste Rentier!
Chäufi machte sich sofort auf Foto-Pirsch, merkte aber, dass das
Rentier deutlich schneller ist ;-) Gut, es war sowieso ein "Touristenrentier".
So nannten wir die Tiere, die ein Halsband trugen. Sie gehören
den Lappen, laufen aber frei in der Gegend rum.
In der Alesjaure-Fjällstation machten wir einen längeren Halt,
weil unser Durst nach Cola schrie und der Laden erst spät öffnete.
Schliesslich bekamen unsere Kehlen das schwarze Gesöff und waren
zufrieden. Nach dem Studium von Hälge-Bücher machten wir uns
wieder auf den Weg, um baldmöglichst ein Zeltplätzchen zu
finden. Kaum ein Kilometer weiter wars dann soweit, eine ebene Grasfläche
mit Bächlein unweit entfernt bot sich zum zelten an. Wasser in
der Umgebung zu haben ist uns übrigens jeden Tag gelungen. Kaum
hatten wir aufgestellt, fing es an zu regnen. Wir verbrachten viel Zeit
im Zelt, ich studierte über Website-Designs nach und überdachte
überhaupt meine Website. Ich hatte viele Ideen. Währenddessen
übte Chäufi das "banden" auf der 5 und 6 auf der
Mundharmonika ("banden" bedeutet einen Ton durch die Lippentechnik
um 1/2Ton tiefer oder höher zu machen). Vergebens waren seine Bemühungen.
Zum Glück war es inzwischen wieder schön, sodass er sein Jaul-Konzert
draussen in gut bemessener Entfernung abhielt ;-) Nachdem beim Nachtessen
wieder einmal die Mücken auftauchten verschwanden wir erneut ins
Zelt. Bereits um 22Uhr legten wir uns schlafen. Bis mich um 3.30Uhr
Chäufi weckte und meinte: Schau mal, wie herrlich tief die Sonne
steht...!
Tag 7
Alesjaure - Pass 1260 - Ulla Allakas
23 .Juli 2003, morgens bewölkt, nachmittag Regen, 14-18°C
Schlaf: 9:30h
Marschzeit: 4h
Für einmal standen wir relativ früh auf,
frühstückten schnell, packten zügig zusammen und liefen
bereits um viertel vor Neun los. Es ging dann recht bergauf, und wir
merkten, dass wir nun den "Kungsleden", der auf normalem Wege
im Tal unten nach Abisko weitergegangen wäre, verliessen. Die Markierungen
waren nicht mehr so zahlreich, der Weg oft nicht als solcher erkennbar.
Aber es machte Spass. Auf der Passhöhe angekommen auf 1260 m.ü.M
staunten wir dann nicht schlecht: Rentiere, viele Rentiere! Es waren
bestimmt über Tausend, die an den steilsten Hängen in den
Schneefeldern dichtgedrängt standen. Wir liessen uns vor zwei Tagen
erzählen, dass die Lappen die Rentiere jeweils auf einen gewissen
Berg hochtreiben um sie zu zählen und makieren zu können.
Alles hätte darauf hingedeutet, aber weit und breit waren keine
Menschen zu sehen. Wir schauten dem Prozedere über eine Stunde
zu. Und wir wissen jetzt noch nicht, wieso alle Rentiere dort oben waren...
Chäufi versuchte seinen Digitalzoom um Fotos zu schiessen. Nach
dem Loslaufen musste ich wieder einmal eine spontane K...pause einlegen.
Unser Food besass offenbar viele Nahrungsfasern. Früher nannte
man diese auch Ballaststoffe. Auf jeden Fall waren wir immer froh, wenn
wir unser Ballast fernab von Mücken abwerfen konnten ;-)
Auf der andern Seite des Passes wartete die erste Flussdurchquerung.
Naja, breite Bachdurchquerung ist wohl treffender. Auf jeden Fall hatten
wir Freude, dass unsere extra mitgenommenen Turnschuhe (Chäufi
hatte sogar Amphibien-Trekkingschuhe dabei!) zum Einsatz kamen. Das
Wasser war übrigens sehr, sehr kalt. Es folgte ein Quersumpfein
ohne Karte. Der Weg war oft sehr matschig und sumpfig, und wir hüpften
von Stein zu Stein durchs Moor. Wir verliessen den Weg und Chäufi
konnte sich als "Kompass-tauglich" zeigen, während dem
ich meine Hosen putzte, weil es mich umgehauen hat. Es folgten viele
lange Holzpfade durch sumpfiges Gelände. Auf einem kleinen Sattelpunkt
oberhalb der nicht sichtbaren Hütte "Ulla Allakas" fanden
wir nach 30 minütiger Suche einen halbwegs vernünftig ebenen
Zeltplatz. Wieder kam Regen. Chäufi wollte unbedingt fischen. Zurück
kam er ohne Fisch. Immerhin musste er, nachdem sein Haken mitten im
See verhakte, rund um den See laufen, bis er den Haken doch noch heil
bergen konnte. Immer noch Schiff, und jemand musste hinunter Wasser
holen gehen. Natürlich war ich an der Reihe. Räser Käse
stinkt, und deshalb blieb unsere feine Polenta ohne Reibkäse. Zelt
vom Wind plötzlich flattrig. Operation "Hering umstecken von
innen", weil Chäufi den Hering seitenverkehrt eingesteckt
hatte *gröl*.
Tag 8
Ulla Allakas - Dossoganjaure
24 .Juli 2003, morgens regnerisch, dann etwas besser, abends regnerisch,
12-17 °C
Schlaf: 9:30h
Marschzeit: 5:30h
Um 7Uhr Wecker sofort wieder abgestellt. Weitergedöst
bis 8Uhr. Heieiei, war das kühl da draussen. Als erstes mussten
wir noch den Abwasch vom Vortag machen, und es gab reichlich kühle
Finger. Wir liefen mit Windjacke los und kauften wenig später in
der Fjällstation Ulla Allakas Salznüssli (100g=625kcal!).
Es waren nur drei seltsame Männergestalten dort und deshalb zogen
wir gleich weiter. Nachdem immer wieder Tropfen fielen, montierten wir
unseren geliebten Poncho. Eine erste krasse Flussdurchquerung wollten
wir umgehen, verloren viel Zeit und mussten letzlich doch unsere Flussschuhe
montieren. Solche Passagen kosten jeweils locker 15-20 Minuten. Zwei
Damen machten uns auf eine noch folgende grosse Flussdurchquerung aufmerksam.
Im Folgenden waren wir sehr gespannt auf diese Wasserstelle und zudem
rechneten wir aus, wieviel wir noch kochen dürfen, damit unser
Benzin nicht ausgeht bis zum Schluss. Unser Schluss: No more the, no
more coffee, also kein Tee und Kaffee mehr, Benzin sparen! Dieser Gedanke
war nicht unser Freund, aber wir hatte keine andere Wahl, ausser man
kann irgendwo noch Benzin kaufen... ...oder es liegt welches am Wegrand!
Unglaublich aber wahr: Auf einem Stein stand mutterseelenallein ein
fast voller Benzinkanister! Sofort füllten wir unsere Flaschen
und konnten ab sofort Tee und Kaffee im Überfluss kochen, sofern
genügend Pulver und Bäutelchen vorhanden sind. Wahrscheinlich
stand der Kanister seit dem letzten Schnee dort, denn dort führt
auch ein Schneetöff-trail durch. Die ominöse Wasserstelle
war nicht so krass, aber bis auf die Unterhosen musste man sich schon
ausziehen, das Wasser stand gut bis Mitte Oberschenkel.
Meine Sehne über den linken Fussrist tat etwas weh. Ich machte
mir Sorgen und lief nun vorsichtig und weniger schnell. Das Positive:
Wir hatten mehr Zeit um die Landschaft zu begutachten. Der Weg führte
durch sehr steiniges Gelände, viele Richtungswechsel und immer
wieder waren Steinmannli zu sehen, welche den Weg markierten. Es war
eindrücklich: Manchmal liefen wir auf Felsen, der wie ein Gratrücken
zwischen dem Wasser posierte. Bis dahin hatten wir kein vernünftiges
Zeltplätzchen ausmachen können und so beschlossen wir nach
gut 4 Stunden Marschzeit, das erste gute Plätzchen zu nehmen. Es
folgte 1:30 Stunden später... Fast wie ein Golfrasen am mäandrierenden,
breiten Gewässer kurz vor einem See mitten in einer Berglandschaft,
die links und rechts emporragte. Die Kulisse war echt Wildwest tauglich,
und wir warteten bereits, bis die Indianer uns umzingelten. Statt Indianer
kam ein dänisches Päärchen vorbei und wurden für
diese Nacht unsere Zeltnachbarn.
Ich tauschte mit Chäufi noch Schokolade aus. Wer den bessern gemacht
hat, weiss man nicht, auf alle Fälle war ich auf Quantität
und er auf Qualität aus. So besass er zwar meine zwei feinen Milchtafeln,
ich dafür 4 Sonstige. "Café or notcafé?"
- Notcafé, also schlafen.
Tag 9
Dossoganjaure - Katterjaure
25 .Juli 2003, etwas bewölkt, danach sonnig, 18-22°C
Schlaf: 9h
Marschzeit: 2:30h
Juhu, Benzin im Überfluss. Also machten wir
tüchtig Morgencafé. Nach einem letzten Schwatz mit den Dänen
gings los. Mein linker Fussrist machte immer noch Schmerzen und ich
schluckte erneut eine entzündungshemmende Tablette aus Chäufis
umfangreicher Apotheke. Wieder einmal erwartete uns eine Wasserdurchquerung,
was wir wie alte Routiniers hinter uns brachten ;-) Die Sonne kam immer
mehr und mehr hervor. Plötzlich hielt Chäufi an und sagte:
"Schau mal, da liegt eine Jeans." Tatsächlich, eine schwedische
Jeans am trocknen auf einem Stein. Aber weit und breit niemand zu sehen.
Ich fand sie toll und nahm sie mit. Ich habe sie noch heute! Eine kleine
Kletterpartie machte zu schnaufen, aber oben angelangt hatten wir eine
super Aussicht. Sofort veranstalteten wir eine kleine Fotosession. Sie
dauerte ungefähr 45 Minuten... wonderful! Beim nächsten Rast
versuchten wir nach fünf Tagen ohne Empfang unsere Handys zu füttern.
Und es gelang. Doch wir waren nicht sehr gefragt. Je ein SMS. Wobei
auf Chäufis Natel gefragte wurde, wie es mir ginge. Also hatte
ich 2:0 gewonnen! ;-) Nein, wir genossen es wirklich ohne Empfang, man
ist dann nicht so abgelenkt und beschäftigt... Chäufi fotografierte
mal ein echtes Natur-Rentier, eines ganz ohne Halsband. Unser Hike ging
quer durchs Gelände zum Katterjaure (jaure=See). Wir fanden kein
guter Zeltplatz, also durchquerten wir den Fluss um auf der super Halbinsel
zu zelten. Es war mein persönlich schönster und einmaligster
Platz! Wir hatten unseren eigenen Strand, super Wetter, konnten unsere
Oberkörper bräunen und dabei vergebens angeln. Der See war
so klar, wir konnten genau sehen, dass kein Fisch in der Nähe war.
Angeln ist trotzdem cool. Unsere Idee "Zapfenfischen" mit
Holzstück misslang, worauf unser Haken fast mitten im See verhakte.
Chäufi rettete sein Haken wagemutig mit einer kurzen Schwimmeinlage.
Ich wäre sicherlich fast erfroren, doch Chäufi musste noch
Extra-Schwimmeinlagen einlegen, was er wieder an Land fröstelnd
und nach Wärme suchend bitter bereute.
Da unser neues Benzin eine komische Farbe aufwies, waren wir plötzlich
nicht mehr sicher, ob es verträglich wäre für den Kocher.
Falls nein hätten wir sehr, sehr Pech gehabt. Also machten wir
Steinziehen, wer zuerst sein Abendessen kochen darf. Ich gewann. Auch
für Chäufi reichte der Sprit noch. Erst beim Café machen
zeigte sich, dass der Kocher auch mit dem gefundenen Benzin herrlich
funktioniert. Nur stank es dabei etwas. Wir sinnierten über die
herrlichen und erholsamen Ferien und spielten unser ganzes Schnörregiige-Repertoir
durch. Chäufis Versuch die Mitternachtssonne zu fotografieren scheiterte.
Es war ein kleiner Hügel dazwischen.
Tag 10
Katterjaure - Riksgränsen
26 .Juli 2003, bewölkt bis sonnig, etwas Regen, dann wieder gut,
16-20°C
Schlaf: 8:30h
Marschzeit: 2h (jöööö)
Völlig ohne Wecker um 9Uhr aufgestanden. Morgencafé
am See, alles sehr gemütlich. Wir genossen unseren letzten "Outback-Aufenthalt",
bevor wir wieder Zivilisation erreichten. Die Wasserdurchquerung zurück
von der Halbinsel war noch tricky... Am Ende des Sees waren es nur noch
4km bis Riksgränsen. Wir waren wechselnd auf schwedischem, dann
wieder norwegischem Gebiet. Wir machten bereits eine Pause, es war ja
nur noch ein Katzensprung. Die drei Biker, die wir am Vortag gesehen
hatten, kamen auch wieder zurück. Waren ziemliche Anfänger...
Der Weg war mittlerweile touristisch breit, die ersten Seilbahnmasten
vom Skigebiet waren zu sehen und tatsächlich kamen die ersten Touristen
mit Halbschuhen und Sandalen daher. Das Ende unserer Tour war erreicht.
Im ersten Laden in Riksgränsen kauften wir ein. Zum Andenken leistete
ich mir ein T-shirt in hellblau mit einem R wie Riksgränsen. Es
ist mittlerweile mein Lieblingsshirt. Am See haben wir auf Steinen gegessen
und gefischt - natürlich ohne Fisch.... Regen bahnte sich an, also
schnell T-shirt wieder angezogen. Nochmals mussten wir suchen um einen
Zeltplatz abseits zu finden. Und ein letztes Mal begrüssten uns
auch eine Tonne Moskitos. Kein Problem: Wir stellten wieder unser Fischerruten-Moskitonetz
Gebastel auf und hatten unsere Ruhe. Dank dem Einkauf war ich das erste
Mal seit 10 Tagen wirklich satt geworden! Der mitgenommene Haglöfs-Katalog
(Outdoor-Equipment) zeigte sich als sehr interessant.
Tag 11
Riksgränsen - Kiruna - Stockholm (Marsch, Bus, Flug)
27 .Juli 2003, bewölkt, 22°C
Schlaf: 8h
Marschzeit: 15min :o)
Das letzte Mal Frühstück vor dem Zelt.
Erst sogar oben ohne, danach wegen Wind langärmlig. Wir mussten
umpacken. Ich nahm das Zelt mit nach Hause, er behielt die ganze Kochausrüstung
in Schweden. Am See unten machten wir uns frisch und wieder ziviltauglich.
Es war echt nötig, dass ich ein T-Shirt kaufte... mehr muss man
dazu wohl nicht sagen. Der Zug in Riksgränsen hatte viel Verspätung.
Und die Wagen waren alt, aber sehr bequem. Sogar mit Garderobe. Ich
genoss die Stuhllehne... In Kiruna sagt ich Chäufi adieu. Er bleibt
in Schweden bis April 2004 als Austauschstudent an der KTH Stockholm.
Während er mit den Inland-Bahnen in den Süden tuckerte, nahm
ich das schnellere Flugzeug. Have a nice time, Chäufi, and enjoy
all the "lindas". Linda war der Deckname unserer "Miss
Trekking" ;-)
Ich musste lange warten auf den Flughafenbus, kam am späten Abend
dann in Stockholm an. Da der Rückflug nach Zürich erst am
Montag morgen war, übernachtete ich direkt im Terminal 5. Mit Allesandro
aus St. Moritz, der das gleiche vorhatte, plauderte ich bis spät
in die Nacht. Und am Morgen verpassten wir beinahe den Flug. Das Checking
war bereits geschlossen und mit einer Extrawurst wurden wir zum Flugzeug
gefahren. Aber wir kamen glücklich Zuhause an, und das ist ja die
Hauptsache.
::: ENDE :::
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